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Mystische Waldbilder fotografieren

Mystische Waldbilder leben von geheimnisvollen Lichtstimmungen, die den dunklen Wald nur teilweise erhellen und so viel Spielraum für die eigene Phantasie lassen.

Schaut da ein Zwerg hinter der Wurzel hervor, kommt da gleich ein Kobold aus dem Unterholz?

In diesem Beitrag zeige ich Euch, wie Ihr diese Lichtstimmungen “vorhersagen”, fotografieren und in der Nachbearbeitung optimieren könnt.

Mystische Wälder fotografieren

Wie entsteht eine mystische Lichtstimmung?

Die “geheimnisvollen” Lichtstimmungen sind entscheidend für mystische Waldbilder.

Diese entstehen, wenn direktes Sonnenlicht durch unterschiedlich dichten Nebel gefiltert und modelliert wird.

Das sind sozusagen die Zutaten: Nebel + Sonne + Sonnenstand (tiefstehend) = mystische Lichtstimmung.

Persönlich finde ich eine tiefstehende Sonne am interessantesten, hier treten die Strahleneffekte der Sonne besonders deutlich hervor. Das heißt also: nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang.

Nebel in den frühen Morgenstunden ist wahrscheinlicher als am späten Nachmittag.

Leichter Bodenfrost mit reifbedeckten Spinnweben wäre noch ein schönes Accessoire.

Woher weiß ich, wann es diese Lichtstimmungen gibt?

Ortskenntnisse und eine Wetterapp helfen da weiter. Schaut mit der Wetterapp nach Nebelbildung Ausschau, recherchiert über Google Earth die Geländebeschaffenheit und Höhenmeter und gleicht diese Infos mit den Wettermeldungen ab.

Mit der Zeit bekommt man ein “Gefühl” dafür, wie sich die Wetterbedienungen vor Ort auswirken und ob man mit mystischen Lichtstimmungen rechnen kann.

Allerdings hat man nur ein begrenztes Zeitfenster, denn Sonnestand und Nebel - insbesondere die Nebeldichte - ändern sich laufend und je nach Wetterlage auch sehr schnell.

Welcher Wald eignet sich dafür?

Eigentlich jeder Wald, wenn die Lichtstimmung stimmt. Je mehr der folgenden Zutaten er hat, desto intensiver wird die mystische Lichtstimmung:

  • sehr junge und sehr alte Bäume, die dicht beieinander stehen oder Gruppen bilden
  • lockeres Unterholz mit abgestorbenen Ästen und Baumresten
  • Farn
  • Spinnweben
  • Moosboden
  • Waldlichtungen
  • interessante Waldränder

Eine Recherche in Google Earth, um Waldlichtungen, Waldteiche und verschlungen Pfade ausfindig zumachen, verkürzt die Suche nach einem geeigneten Aufnahmeplatz vor Ort.

Es kann aber genau so Spaß machen, gänzlich ohne Recherche loszuziehen und sich überraschen zu lassen.

Mir macht beides Spaß, ich orientiere mich grob über Google Earth und erforsche dann zu Fuß die Umgebung. Das gehört für mich eigentlich auch zur Waldfotografie :-)

Welcher Aufnahmestandort und welche Komposition eignen sich?

Damit die Sonnenstrahlen richtig zur Geltung kommen,, muss die Sonne den Wald teilweise auch durchdringen können. Das funktioniert sehr gut am Waldrand und über einer Waldlichtung.

Das sind schon mal die ersten Anlaufpunkte, also einfach einen Waldweg entlangspazieren und wenn es dann interessant wird, in den Wald eintauchen und verschiedene Positionen, Perspektiven und Kompositionen ausprobieren.

Wie zum Beispiel nur die seitlichen Strahlen ohne Sonne oder direkt von vorne. Wenn in die Sonne fotografiert wird, sollte man nicht gerade bei vollem Zoom durch den Sucher direkt in die Sonne schauen - das kann gefährlich für das Augenlicht werden.

Bei 24 mm ist das weniger dramatisch, trotzdem kneife ich das Auge immer etwas zu oder benutze für die Kompostion den Live-View und schalte vor der Aufnahme wieder zurück in den “Sucher”-Modus.

Seitliche Sonneneinstrahlung

Mystischer Wald - seitliche Sonneneinstrahlung

Einstellung ISO100, Blende f/2.8, 1/250sec. Lichtsetup: Sonne

Frontale Sonneneinstrahlung

Mystische Waldbilder - frontale Sonnenstrahlung

Einstellung ISO100, Blende f/8, 1/50sec. 24mm Lichtsetup: Sonne

Feine Zutaten

Was einen Wald noch mystischer macht, sind Spinnweben im Bild, im Idealfall mit leichtem Raureif oder mit Tautropfen bedeckt.

Kleine abgestorbene Äste, die ihre knorrigen Finger in das Bild strecken, Baumstümpfe welche schon teilweise verrotten und mit Moos bewachsen sind, Ameisenhaufen sowie umgestürzte Baumstämme, deren Äste wie Stacheln den Stamm verteidigen.

Diese Details sind ein weiterer Baustein, um dem Bild etwas Geheimnisvolles einzuhauchen.

Auch mit diffusem Sonnenlicht ergeben sich stimmungsvolle Bilder, hier von einer Waldlichtung mit jungen Bäumen, die mit Spinnweben überzogen sind und erst durch die Tautropfen sichtbar werden.

Mystische Waldbilder fotografieren

ISO100, Blende f/2.8, 1/250sec. Lichtsetup: Sonne

Mystische Waldbilder fotografieren

ISO100, Blende f/11, 1/4sec. 50mm Lichtsetup: Sonne

Interessant sind Konstellationen von sehr jungen Bäumen und sehr alten (hohen) Bäumen. Der Hintergrund verliert sich im Nebel und in der Dunkelheit, hier hatte ich eine diffuse Sonne im Rücken.

Mystische Waldbilder fotografieren

ISO100, Blende f/2.8, 1/250sec. 35mm Lichtsetup: Sonne

Unterschiedliche Baumarten und Pflanzen in Kombination ergeben schöne Farbkontraste -“nebeligen” bläulichen Hintergrund, grün-gelblicher Waldboden und orange Pflanzen.

Mystische Waldbilder fotografieren

ISO100, Blende f/11, 0.3sec. 40mm Lichtsetup: Diffus > Sonne und Nebel

Mystische Waldbilder fotografieren

ISO100, Blende f/11, 1/6sec. 58mm Lichtsetup: Diffus > Sonne und Nebel

Schärfentiefe und Blendenwerte

Um ein gute Schärfentiefe zu erhalten, nehme ich gerne eine Blende zwischen F/8 - F/12. Um diese Blendenwerte in einem dunklen Wald einzusetzten, wird sich die Belichtungszeit schonmal im Sekundenbereich bewegen.

Um ein verwacklungfreies Bild zu bekommen, ist ein Stativ notwendig. Die Alternative wäre, die Lichtempfindlichkeit des Sensor zu erhöhen und den ISO-Wert hochzudrehen, das gibt aber besonders in den dunklen Tonwerten ein unschönes Rauschen.

Ein Nachteil bei langer Belichtungszeit ist die Bewegungsunschärfe von dünnen Zweigen, wenn der Wind weht. Ein Vorteil ist, dass der Nebel noch dichter wirkt.

Bei der Brennweite wechsle ich je nach Bildidee. Möchte ich sehr engstehende Baumstämme zeigen, zoome ich auch mal auf 100mm, um die Baumstämme optisch “zu verdichten”.

Bildbearbeitung

Um die verschieden Kontrastabstufungen von sehr hart bis sehr weich optimal wiederzugeben, bearbeite ich alle RAW Dateien in Lightroom und Photoshop.

Lightroom:

In  Lightroom arbeite ich die Kontraste, Tonwerte der einzelnen Farben und eine allgemeine Farbstimmung heraus. Bei den Kontrasten und Tonwerten sind das die Grundeinstellungs-Regler sowie die Gradationskurven-Einstellungen.

Um bestimmte Farbtöne kräftiger hervorzuheben und leichte Lichtreflexionen im Gras zu mildern, nutze ich die Luminanz-Regler der Farben und mache Orange, Gelb und Grün dunkler.

Um die mystische Stimmung des Nebels unterstützen, benutze ich die Teiltonung. Hier gebe ich den Lichtern etwas “Gelbfärbung” und den Schatten etwas “Blaufärbung”.

Photoshop:

Um die feinen Strukturen von Rinde, Blätter, Nadel und Moos wiederzugeben, schärfe ich in Photoshop über Masken mit verschiedenen Verfahren nur bestimmte Bereiche des Bildes nach.

Zum Schluss gibt es je nach Bild nochmal einen ergänzenden Farblook über das Bild, dies unterstreicht die mystische Stimmung nach meinen Geschmack ;-) und eine Vignetittierung, also Abdunklung der Ränder, um den Blick mehr zum “Hauptmotiv” zu lenken.

Ausrüstung

  • Kamera: Canon EOS 5D Mark III
  • Objektive:
    • Canon EF 24-105mm 1:4,0 L IS USM
    • Funkfernauslöser: Giga T Pro II (Intervall Timer & Wireless Remote Control) geht aber auch über Kabel
  • Stativ: GITZO GT1551T
  • Software: Lightroom, Photoshop CC, Plugin NIK Filter, Topaz Clarity

Alle hier gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem Urheberrecht des Autors.

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22. Mai 2015 - 12:28

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